Das Wappen Schorndorfs

Historischer Überblick -
Über den Mut der Schorndorfer Weiber

Aus der Laudatio für Ingrid Staehle und TERRE DES FEMMES,
von Prof. Dr. Luise F. Pusch

Künkelin-Geburtshaus   Anna Barbara Künkelin, geboren als Anna Barbara Walch, war die Frau des Bürgermeisters der Stadt Schorndorf. Sie erblickte kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, am 10. März 1651, in Leutkirch das Licht der Welt. Zur Zeit ihrer Heldinnentat war sie 37 Jahre alt. Im Herbst des Jahres 1688 hatte Ludwig XIV. von Frankreich den Pfälzischen Erbfolgekrieg vom Zaun gebrochen. (Foto links: Das Wohnhaus von Barbara Künkelin in Schorndorf.)

Er überzog die rheinische Pfalz mit einem Eroberungskrieg und hatte dabei auch Appetit auf Württemberg bekommen. Anfang Dezember 1688 hatte sich fast ganz Württemberg bereits kampflos ergeben, nur Schorndorf, Neuffen und der Hohentwiel hielten sich noch. Der Kommandant von Schorndorf widersetzte sich den Franzosen, da wandten diese sich unter Drohungen an die Regierung in Stuttgart und erreichten, dass ein Gesandter losgeschickt wurde, der den Schorndorfern die kampflose Kapitulation befehlen sollte, sonst drohe von den Franzosen Böses.

Der Kommandant widersetzte sich wieder, da wandten sich die Abgesandten aus Stuttgart an den Rat der Stadt, der alsbald die Kapitulation beschloss, um schlimmeren Schaden abzuwenden. Als das die Frau des Bürgermeisters hörte, eben Barbara Künkelin (damals hieß sie noch Walch), fasst sie den Plan, die Kapitulation nicht zuzulassen. Sie rief die Frauen der Stadt zusammen, und mit „Waffen" als da sind Kochlöffel, Mistgabeln, langstielige Hacken und dergleichen, marschierte frau zum Rathaus. Dort sollen sie die versammelten Ratsmänner zur Rede gestellt und mit „Waffengewalt" gezwungen haben, nicht für die Ubergabe der Stadt zu stimmen. Barbara soll ihrem eigenen Mann, dem Herrn Bürgermeister, sogar gedroht haben, ihn als Verräter eigenhändig umzubringen, wenn er für die Übergabe stimmte.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass das Weibervolk der Regierung in Stuttgart nicht durch Amtseide oder Treuegelöbnisse verpflichtet war wie die Männer. Sie waren eben auch damals Menschen zweiter Klasse, besaßen gewissermaßen Närrinnenfreiheit und konnten also den Männern die Ausrede verschaffen, dass sie nur "gezwungenermaßen" dem Regierungsbefehl nicht gehorchten.

Offenbar war der Mut der Schorndorfer Weiber ansteckend, es ermannten sich nun auch die Männer, leisteten Widerstand und hielten dem Feind stand, bis endlich die Entsatztruppen die Stadt erreichten. So soll Württemberg es letztlich dem Mut der Weiber von Schorndorf mit Barbara Künkelin an der Spitze verdanken, dass ihm das schreckliche Schicksal der Pfalz erspart blieb - das übrigens die Pfälzerin Liselotte ihrem habgierigen Schwager Ludwig XIV. ihr ganzes Leben lang nicht verzieh. (Foto rechts: Plakette am Wohnhaus von Barbara Künkelin.)   Künkelin-Plakette  

Nachdem dann im Jahr 1689 ihr Ehemann Walch starb, heiratete sie im selben Jahr, nur wenige Monate später, den Kaufmann Johann Jakob Künkelin, der Amtsnachfolger ihres ersten Mannes war. Mit ihm bekam sie 1691 ihr einziges Kind, das aber schon nach fünf Monaten verstarb. Jakob Künkelin starb 1728, Anna Barbara Künkelin starb im Alter von neunzig Jahren erblindet im November des Jahres 1741. Ihr Wohnhaus in Schorndorf befindet sich am historischen Marktplatz, direkt neben der Palmschen Apotheke. In ihrem Testament verfügte sie eine Stiftung für Theologiestudenten in Tübingen, deren Eltern das Schorndorfer Bürgerrecht besaßen oder ein öffentliches Amt innehatten. Von diesem Stipendium profitierte unter anderem der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, dessen Vater von 1791 bis 1801 in Schorndorf Dekan war.

Über 300 jahre später, im Jahre 1983, wurde im Gedenken an diesen ehrwürdigen Tag ein Preis aufgelobt, welcher mutige Frauen der Gegenwart für ihr Engagement aus auszeichnen soll: Der Barbara Künkelin Preis. Die Kriterien für eine Vergabe der Auszeichnung: Gegen den Strom! Für die Zukunft! Genau wie damals die Schorndorfer Weiber handelten.

Lesen Sie auch:
[Schorndorfer Weiber: Geleitwort von Melanie Grawe]

Vollständiger Text der Laudatio in: Heimatblätter 17, Schorndorf 2003, S. 32-42,
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