Das Wappen Schorndorfs

Schorndorfer Weiber - Geleitwort von Melanie Grawe

Der Kampf der Schorndorfer Weiber im Jahr 1688 zeigt uns, dass die Frauen damals in das politische Geschäft der Männer erst eingriffen, als es ans Eingemachte ging, als ihre unmittelbare Lebensgrundlage gefährdet schien, als sie ganz konkret ihre und ihrer Kinder Heimat und Sicherheit aufs Spiel gesetzt sahen. Es ging den Frauen nicht darum, aus Machtgründen Stärke zu demonstrieren oder gar durch einen Sieg zu Ruhm zu gelangen.

Sie handelten gemeinsam und pragmatisch, um die feindliche Übernahme zu verhindern.

Der Chronist Daniel Speer beschrieb 1689 die Schorndorfer Ereignisse als Gruppenprotest der Frauen. Erst über 100 Jahre danach - nämlich 1794 - wurde von dem Tübinger Philosophieprofessor Jakob Friedrich Abel die Bürgermeisterfrau Anna Barbara Künkelin als „Heldin" öffentlich ins Spiel gebracht. Ob Anna Barbara wirklich die Anführerin des Weiberaufstands war, das konnte trotz angestrengter Forschungen bis heute leider nicht belegt werden. Doch diese Frage wäre Anna Barbara, die wohl eine sehr fromme und eher bescheidene Frau war, vermutlich auch nicht wichtig gewesen. Wie immer es auch war: Schorndorf kann stolz sein auf die Tatkraft und Entschlossenheit seiner vielen Frauen, die gemeinsam im richtigen Moment das Richtige taten - und zwar unabhängig von jeglichem politischen Kalkül.

Heute - im hoch entwickelten Europa des 21. Jahrhunderts - müssen Frauen nicht mehr mit Ofen-, Heu- und Mistgabeln, mit Hacken oder Bratspießen um die Durchsetzung ihrer Interessen kämpfen. Wir leben inzwischen in der besten aller bisher denkbaren Gesellschaftsformen - nämlich in einer Demokratie. Aber auch die Demokratie gründet im Kampf - im Kampf um Mehrheiten und politische Macht. Sie setzt eine Streitkultur voraus, in der Taktik, Rhetorik und das überzeugendste Argument die Waffen darstellen. Zum Glück beteiligen sich heute Frauen, die bekanntlich über die Hälfte unserer Bevölkerung ausmachen, stärker denn je an den Diskussionen und Entscheidungen über den politisch richtigen Weg. Trotzdem ist die Gleichstellung der Frauen im gesellschaftspolitischen Raum noch lange nicht erreicht. Frauenmut und -initiative sind deshalb heute wie damals gefragt. Nicht, dass Frauen die besseren Menschen wären, aber ihre Denk-und Handlungsweise ist anders als die der Männer, vielleicht lebensnäher, ganz sicher aber notwendig, um das Gleichgewicht beim Gestalten einer gemeinsamen Zukunft für Männer, Frauen und Kinder herzustellen.

Der Heimatverein, dessen ehemaliger Vorsitzender Dr. Götz E. Hübner gemeinsam mit dem Stifter Fritz Abele den Barbara-Künkelin-Preis auf den Weg brachte, erhofft sich von diesem Schorndorfer Frauenpreis eine Stärkung der Frauen bei ihrer Mitsprache im öffentlichen Raum. Der Dank gilt deshalb allen Preisträgerinnen für ihre beispielhafte Courage und ihren kämpferischen Einsatz bei der Realisierung ihrer Vorhaben.

Unterschrift von Winfried Kübler
Melanie Grawe,
Vorsitzende Heimatverein Schorndorf, 2004

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