Das Wappen Schorndorfs

1998 - Heidi Gauch
Laudatio von Margret Steinhauer

Preisträgerin - 1984 - Katharina Adler   Ich will versuchen, vom Tabuthema Gewalt einen Bogen zu einer ernergischen, geradlinigen und trotzdem leisen Frau zu schlagen. Dieser Bogen schließt Gewalt, Angst, Scham und Schrecken sowie Sehen, Einfühlen und Hilfe ein.Herauskommen soll das große Spektrum, das die Arbeit von Heidi Gauch beinhaltet...

Das Grundgesetz geht von der Pflicht zur Menschlichkeit aus: Niemand, der vom Tod oder einer Haft, die den Tod bedeutet, bedroht ist, soll dem ausgeliefert sein... Die Asylgesetze berücksichtigen verschiedene Faktoren, die im Herkunftsland, in der Person oder in der Politik des Landes begründet sein können, d. h. sie sind Abschiebungsverhinderungsgesetze...

Nicht jeder, der zu uns kommt, ist zu Hause mit dem Leben bedroht, nicht jeder, der kommt, ist ein Folterüberlebender. Viele sehen unseren Reichtum, viele denken, es ist alles Gold, was in Deutschland glänzt, sie probieren es einfach. Sie haben keine Chance nach dem Gesetz. Nach Baden-Württemberg kommen ungefähr 12 000 Asylsuchende pro Jahr. Amnesty International schätzt, dass ca. 20-25% der Flüchtlinge Folter und Gewalt ausgesetzt waren. Im Moment kommen ca. 500 Menschen jährlich in die Bezirksstelle Ludwigsburg, die Asyl beantragen. Von diesen 500 kommen ungefähr 200 zu Frau Gauch in die Sprechstunde und davon waren 65 foltertraumatisierte Menschen...

Opfer von Gewalt, nicht nur sexueller Gewalt, sind nicht in der Lage, über das, was man ihnen angetan hat, spontan zu berichten, daher führt dieses Schweigen oft zur Ablehnung des Asylverfahrens... Wir sollten, solange unter den Asylsuchenden Menschen sind, die Diktatur und Willkür überlebt haben, und erst recht, solange gefolterte Menschen unter ihnen sind, sie aufnehmen, ihre Schicksale anhören, differenziert prüfen und dann auch helfen. Dies tut Heidi Gauch. Jeden Tag, jede Woche - sie ist erfüllt von der Aufgabe, diesen Menschen, die gerade ihr Leben gerettet haben, zu Menschenwürde und einem neuen Leben zu verhelfen. Heidi Gauch kommt aus einem vaterbedingt strengen Elternhaus. Ihr Vater war Bauingenieur. Sie beschließt in jungen Jahren, nach Afrika zu gehen und dort zu leben, zu arbeiten und zu sehen, was das Leben bringt. Sie lernt dort ihren Ehemann kennen und kehrt mit ihm, nach "nicht einfachen, aber schönen Jahren" - wie sie sagt - nach Möglingen zurück. Heidi Gauch ist Kinderpsychologin. Sie übt ihren Beruf zurzeit nicht aus, ihre zwei Kinder sollen ihre Zuwendung und manchmal auch ihre ordnende Strenge spüren...

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Vollständiger Text in: Heimatblätter 14, Schorndorf 1999, S. 10-17