Das Wappen Schorndorfs

1992 - Dörte Klages
Laudatio von Sabine Helene Rapp

Preisträgerin - 1984 - Katharina Adler   Heute verleihen wir zum 5. Mal den Barbara-Künkelin-Preis an eine Frau, die sich im besonderen Maße und in engagierter Weise für Menschen eingesetzt hat, die in unserem Land nicht nur keine Lobby haben, sondern sogar besonders unerwünscht sind. Es "sind die (in Amtssprache) so genannten "Nichtsesshaften",

uns allen besser bekannt als "Penner", "Berber" oder, etwas romantischer ausgedrückt, als "Clochards".

Bei diesem Thema gehen wir, Bürger und Politiker gleichermaßen, innerlich gerne auf Distanz ...

Was hat Dörte Klages bewogen, ihr Leben, das bis dahin als Professorengattin vom Wirken in der Familie und gesellschaftlichen Verpflichtungen bestimmt war, grundlegend umzukrempeln? Eigentlich ist dies mit einem Satz zu beantworten und erklärt gleichzeitig die Preiswürdigkeit: Sie war sensibel genug, das Leid anderer Menschen wahrzunehmen, und war mutig genug, zu handeln, geduldig genug, sich nicht durch Schwierigkeiten abschrecken zu lassen...

Auf diese Art und Weise hat Dörte Klages und ihr Verein, den sie 1987 ... gegründet hat, zwischenzeitlich weit über hundert Menschen wieder zu einem menschenwürdigen Dasein verholfen.

Im Jahr 1990 haben von insgesamt 98 betroffenen Erwachsenen 22 ihren Lebensunterhalt selbst verdient, 20 Arbeitslosenhilfe erhalten und 10 eine Rente bekommen, so dass weniger als 50% von Sozialhilfe lebten ein gigantischer Erfolg, gemessen daran, dass diese Menschen weithin als nicht resozialisierbar galten.

Den Preis erhält Dörte Klages stellvertretend und zusammen mit ihren Helferinnen und Helfern für ihren selbstlosen und mutigen Einsatz, für ihr Engagement und ihr Durchhaltevermögen, dank dessen sie eine Institution geschaffen hat, die heute „professionell" arbeitet mit 13 ehrenamtlichen Helfern (evtl. jetzt mehr?), drei hauptamtlichen Sozialarbeitern (teilw. ABM-Kräfte), zwei Sozialhilfeempfängern, die gemeinnützige Arbeit leisten, und drei weiteren geringfügig Beschäftigten.

Die Finanzierung ist gesichert über Spenden, Bußgeldzuweisungen und Mitgliedsbeiträge. Neuerdings gibt die Stadt Heidelberg einen Zuschuss von DM 40.000.

Die Institution ist dem paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen und erhält inzwischen von der Stadt Heidelberg jede mögliche Unterstützung.

Für das Modell dieser Arbeit interessieren sich inzwischen auch große Städte wie z. B. Frankfurt...

Frau Klages und ihre Mitarbeiter wurden anfangs auch in den eigenen Reihe als „Spinner" angesehen und von den Ämtern und professionellen Hilfsstellen zunächst sehr zurückhaltend, wenn nicht gar abweisend zur Kenntnis genommen. Dank ihrer Beharrlichkeit haben sie es aber geschafft, dass sich hier das Klima nach allen Seiten positiv verändert hat und gute Zusammenarbeit mit allen zuständigen Ämtern und den anderen Hilfsorganisationen möglich geworden ist.

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Vollständiger Text in: Heimatblätter 9, Schorndorf 1992, S. 103 - 107