Das Wappen Schorndorfs

1990 - Bianca Brost
Laudatio von Ludwig Liegle

Preisträgerin - 1984 - Katharina Adler   Stellen Sie sich vor (stellt Euch vor): Bianca Brost hätte den Barbara-Künkelin-Preis zu Lebzeiten erhalten; man hätte sie gefragt, wie es ja normalerweise geschieht, ob sie den Preis annimmt; man hätte ihr gesagt, dass sie nach der Preisverleihung und im Anschluss an die Laudatio selber auch auftreten solle.

Wie hätte Bianca wohl dieses Ansinnen aufgenommen? Ich weiß es natürlich nicht. Aber ich stelle mir vor: Sie hätte ein paar Kinder zusammengerufen; kommt, denen spielen wir Kinderklinik vor: Du machst den Professor bei der Visite, und Du die Oberschwester, und Du den Klinikschullehrer, und ich das Gespenst Die werden staunen in Schorndorf; mal seh'n, ob sie sich auch ordentlich erschrecken, mal seh'n, ob sie mich erkennen. Oder halt: Wir schreiben in der Klinikrundschau einen Wettbewerb „Kinderklinikspiel" aus und die beste Idee machen wir und wer sie gebracht hat, darf Regie führen...

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder und Jugendliche!

Der diesjährige Barbara-Künkelin-Preis geht posthum an Bianca Brost. Zu Recht wird Bianca dieser Preis verliehen; denn sie hat - im Zeichen einer Krankheit zum Tode - Tapferkeit und Mut, Liebe zum Leben und zu den Menschen in einer Art und Weise vorgelebt, die der Namensträgerin des Preises Ehre macht.

In diesem besonderen Fall geht der Preis jedoch nicht allein an eine einzelne Person, nicht allein an die geheimnisvolle Persönlichkeit des Mädchens Bianca.

Der Preis gilt vielmehr auch den Eltern von Bianca. Sie haben Bianca den Halt und die Liebe gegeben, aus der ihr Lebenswille sich gespeist hat; ohne die Erfahrung solcher Geborgenheit kann solche Kraft nicht entstehen und gedeihen.

Wenn ich an Dich denk', hab ich wieder Mut, schrieb Bianca in ihrem Gedicht für alle Mütter, besonders für ihre Mutter.

Der Preis gilt aber auch der Tübinger Kinderklinik. Dass ein Krankenhaus zu einem Stück Heimat wird, ist ja nicht etwas Selbstverständliches, ganz im Gegenteil...

Dass eine Klinik zu einem Stück Heimat werden kann, das liegt aber auch an den Menschen, die hier arbeiten, liegt daran, dass in dieser Klinik Menschen arbeiten, für die das Klinikdasein mehr ist als ein Job wie jeder andere, nämlich ein Stück Leben mit den Kindern. Es stimmt schon, alle Erwartungen der Kinder erfüllt auch die Tübinger Kinderklinik nicht: nicht zum Beispiel die Erwartung von Bianca, dass gegessen wird, was man sich wünscht; nicht die Erwartung von Bianca, dass die Schwestern und Doktors ab 14 Uhr mit den Kindern spielen; nicht ihre Erwartung, dass ab 16.30 Uhr nach Belieben ferngesehen werden kann; und nicht die Erwartung, dass um 20 Uhr die Diskothek öffnet. Wenn man aber in der Klinikrundschau liest, wie die Kinder über „ihre" Klinik schreiben, wie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit den Kindern sprechen, spielen, lernen, wenn man ahnt, wie die Knder hier in ihrer Lebenssituation und jedes in seiner Art ernstgenommen werden, so würde Bianca wohl zustimmen, dass der ihr verliehene Preis zugleich auch der ganzen Tübinger Kinderklinik gilt...

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Vollständiger Text in: Heimatblätter 8, Schorndorf 1990, S. 142 - 145