Das Wappen Schorndorfs

1984 - Katharina Adler
Laudatio von Brigitte Bausinger

Preisträgerin - 1984 - Katharina Adler   11.11, 11 Uhr 11 - das ist ein kurioser Termin. Die Stunde, in der in manchen Gegenden das Startzeichen für den Karneval gegeben wird. Ich sage das, um findigen Journalisten vorzugreifen, die dieses Datum vielleicht schon in ihrem Hinterkopf gespeichert haben, um die hiesige Preisvergabe in die komische Ecke zu rücken.

Ich schlage vor, dass wir einen Zusammenhang jenseits der Komik akzeptieren: Ein Stück Verkehrte Welt ist es ja in der Tat, wenn ein Frauengremium, eine "Damenriege" (ich nehme dieses Wort aus einem nicht sehr wohlwollenden Pressebericht), in die pathosgeladene männliche Welt der Preisverleihungen einbricht und wenn auch als Preisträger, als Preisträgerin, grundsätzlich eine Frau vorgesehen ist. Verkehrte Welt zeigt ja immer auch, dass die normale Welt verkehrt ist - und insofern kommt dieser ungewohnten femininen Konstellation durchaus grundsätzliche Bedeutung zu...

Das Kuratorium des Künkelin-Preises hat einstimmig beschlossen, bei dieser ersten Preisverleihung Frau Katharina Adler auszuzeichnen. Meine Aufgabe ist es, diese Wahl in einer Laudatio zu begründen. Diese Aufgabe ist nicht leicht. Friedrich Nietzsche hat einmal notiert, "im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel", und ganz im Sinne einer solchen Befürchtung hat Katharina Adler (ich sage das, weil es zum Persönlichkeitsbild dazugehört) im Vorfeld dieser Feier verschiedentlich aufgezählt, was alles sie nicht hervorgehoben wissen will...

Das eigentliche Medium von Katharina Adler ist das Wort, ist die Sprache, die sie so souverän und meisterlich beherrscht, dass ich an dieser Stelle auch ihre literarische Leistung ausdrücklich würdigen möchte. In vielen Rundfunksendungen, Features, Prosaskizzen hat Katharina Adler ihre Erfahrungen verarbeitet, sorgfältig Recherchiertes niedergeschrieben, aufmerksam gemacht auf Notfälle und existenzgefährdende Veränderungen. Ihre Texte geben uns die Möglichkeit, Einblicke in ihre Arbeit zu gewinnen; wir können uns ein Bild machen von ihrer Besorgnis und von den dadurch ausgelösten Aktivitäten.

Dabei wird sehr schnell deutlich, dass ihre Arbeit im Allgäu für das Allgäu ein ausgesprochen soziales Engagement ist. Frau Adler setzt sich für die Erhaltung von Landschaft ein, weil sie sieht, dass bornierte Planung einem abstrakten Kalkül die Existenz von Menschen opfert, dass konkrete Lebensräume zerstört, sinnvolles Dasein vernichtet wird. Ihr Kampf in den Bürgerinitiativen- und -Versammlungen, denen sie mit ihrem Mut, ihrem Weitblick und ihrer Formulierungskraft hilft, ist keine Prominentendemonstration, sondern zähe und kontinuierliche Arbeit, eingebettet in den alltäglichen Umgang mit den Menschen am Ort und in der Umgebung, eingebettet in die Solidarität der gemeinsamen Erfahrungen...

Dies wird vollends deutlich, wenn wir uns ihrem Wirken für zwei andere Gruppen zuwenden, die in unserer Gesellschaft Randgruppen sind, von Vorurteilen entstellt und oft ohne Fürsprecher. Ich meine die Behinderten und die Spätaussiedler aus den Ostgebieten...

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Vollständiger Text in: Heimatblätter 2, Schorndorf 1985, S. 172-176